Mit reichlich Verspätung (sorry!) hier ein Rückblick auf meine heiße Nacht mit Karl Lagerfeld im Passauer Medienzentrum:
Popkonzertähnliche Zustände herrschten bereits eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung. In der Warteschlange vor dem Eingang reihten sich zahlreiche gut betuchte Leute, oder solche die zumindest so aussahen, dicht aneinander. Das Warten hätte man sich aber sparen können, die besten Plätze waren nämlich bereits für die prominenten Gäste reserviert. Nun gut, von meinem Platz aus hatte ich aber auch eine recht gute Sicht und konnte das nacheinander Eintreffen der Promis beobachten. Mein Vater half mir beim Identifizieren der VIPs wie Dr. Antja-Katrin Kühnemann ("die Fernsehdoktorin"), wohingegen Florian Silbereisen von einer Dame hinter mir zweifelsfrei als "der eine von Switch" entlarvt wurde. Uschi Glas erkannte ich dann aber grad noch selbst... Das Medienaufgebot konnte sich ebenfalls sehen lassen: Vom ZDF über RTL bis zum BR und verschiedenen Zeitungen war alles da.
Eine gute Stunde ließ der Modezar auf sich warten, schließlich hatte er auch noch eine Pressekonferenz zu absolvieren. Stilgerecht, im gläsernen Aufzug, begab er sich dann zur Menge herab (laut PNP waren es 500 Zuschauer, mir kams viel weniger vor). Gastgeberin Angelika Diekmann säuselte mit Schlafzimmerblick ihre Anmoderation ins Mikrofon, bis sie dann endlich das Wort an Patricia Riekel übergab, der Chefredakteurin der Bunten. Und die, also Patricia, ist nicht nur überaus sympathisch, sondern trug ein Kleid, das so schön war, dass ich es mir gerne von ihr ausgeliehen hätte. Frau Riekel war es dann auch, die Lagerfeld den Menschen in Europa Kunst Award 2009 verlieh. Über den freute er sich, der Karl, und posierte geduldig im Blitzlichtgewitter für die Fotografen und Fernsehkameras. Überhaupt kam er mir sehr höflich und freundlich vor, außerdem lächelte er viel, was ich nicht unbedingt erwartet hätte. In der anschließenden "Podiumsdiskussion", die eigentlich mehr an ein Interview in einer Promitalkshow erinnerte, erfuhr man z.B., dass der Modeschöpfer das Leben im Rampenlicht durchaus genieße. Wie Patricia Riekel berichtete, sei sie einmal mit ihm in einer französischen Parfumerie gewesen, woraufhin Karl sofort erkannt wurde und von dutzenden Leuten umzingelt worden war. Einer seiner Begleiter fand so ein Leben ohne Privatsphäre bemitleidenswert, woraufhin Lagerfeld konterte: "Wie bitte? Dafür hab ich doch mein ganzes Leben gearbeitet, damit ich erkannt werde. Das ist génial!". Der Modedesigner, der für vier Labels gleichzeitig arbeitete, hat sich durch seine Kleidung und sein Auftreten selbst im Grunde zu einer Marke stilisiert, der Marke Lagerfeld. Das sieht er selbst jedoch nicht so, er sei "der Höhepunkt des Spontanen". Auf die Lacher im Publikum reagierte er durchaus positiv, grinste wie ein kleiner Junge und wollte am liebsten gleich noch einen Kracher draufsetzen. Zeitweise gab Lagerfeld aber auch kleine Einblicke in sein Seelenleben, zumindest behauptete er, er sei sich selbst gleichgültig, allerdings sei er auch nie mit sich zufrieden. Er sehe immer eine Glasscheibe zwischen ihm und dem, was er möchte. Naja, wenns weiter nix ist.
Jedenfalls kam er zumindest bei mir rüber wie ein sehr intelligenter, gewitzter, sympathischer und v.a. interessanter Gesprächspartner. Alt ist er schon geworden, das sah man ihm an, aber wie alt genau, das weiß nur er selbst (wie war das nochmal mit der Gleichgültigkeit?).
Leider verpasste ich die Chance, im Anschluss eine persönliche Zuschauerfrage an Karl Lagerfeld zu richten. Zu gerne hätte ich gewusst, was er von Modeblogs hält und ob er überhaupt welche liest. Aber bevor ich überhaupt wusste was geschah, war Karl Lagerfeld schon wieder auf seinem Platz in der ersten Reihe und der gesamte Saal kam zum Abschied noch einmal in den Genuss von Angelika "Herzblatt-Susie" Diekmanns Redekunst.
Auf alle Fälle hat es sich gelohnt, für den einen Abend extra nach Passau zu kommen. Und ein Foto mit Uschi Glas hab ich jetzt auch.
Karl Lagerfeld diskutiert nur im Stehen.
Karl Lagerfeld, Patricia Riekel, Teddy
Ich, Uschi, Theresa









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